23.04.2017

Mobbing macht Schule zur Qual

PISA-Studie bestärkt Forderungen des Verbandes Reale Bildung nach kleineren Klassen

Nicht die kognitiven Leistungen in Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften, sondern das Wohlbefinden der Schüler steht im Mittelpunkt der aktuellen PISA-Studie, die 2015 durchgeführt und jetzt veröffentlicht wurde. Der dritte von insgesamt fünf Bänden der PISA-Studie konzentriert sich auf Indikatoren, die sowohl negative Ergebnisse abdecken (z. B. Angst, schlechte Leistung), als auch auf positive Impulse, die eine gesunde Entwicklung fördern (z. B. Interesse, Engagement, Motivation).

Zusammenfassung der PISA-Ergebnisse 2015:
https://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/PISA_2015_Zusammenfassung.pdf

Einen Schock löst diese dritte PISA-Studie nicht aus“, kommentiert Timo Lichtenthäler, Landesvorsitzender des Verbandes Reale Bildung Rheinland-Pfalz, die Ergebnisse. Beim ersten weltweiten Vergleich vor 16 Jahren fielen die deutschen Schüler durch schlechte Leistungen auf. Mittlerweile liegen sie diesbezüglich im oberen Mittelfeld. „Das Gesamtbild wird allerdings getrübt durch die Zunahme von Mobbing“, erklärt Lichtenthäler.
Fast jeder sechste Fünfzehnjährige in Deutschland wird nach der neuen Erhebung regelmäßig Opfer von massiven Angriffen körperlicher und seelischer Misshandlungen durch Mitschüler. „Es kann nicht angehen, dass so viele Kinder und Jugendliche unter Mobbing leiden. Die Lehrkräfte leisten immer mehr Beratung und Unterstützung, aber sie sind zeitlich völlig überfordert. Denn in Klassen mit bis zu 30 Schülerinnen und Schüler sind die pädagogischen Möglichkeiten der individuellen Zuwendung eingeschränkt“, erklärt die VRB-Bezirksvorsitzende Saskia Zimmermann (Neustadt).
Bengjamin Bajraktari (Koblenz) sieht die Notwendigkeit eines stärkeren Hinschauens und Helfens. „Vorbeugung ist die beste Methode gegen Mobbing. Diese erfolgt aber nicht nur im Klassenverband, sondern auch in vielen Einzelgesprächen. Die Problematik Cybermobbing und damit verbunden die Gefahr, dass Identität und Selbstwertgefühl unserer Schüler zerstört werden, können wir nicht ignorieren“, so der VRB-Bezirksvorsitzende Koblenz.
Es liegt offenbar nicht am vermeintlichen „Notendruck“, wenn Jugendliche in Deutschland Angst vor dem Schulbesuch haben, hebt VRB-Bezirksvorsitzender Christoph Krier (Trier) hervor: „Die aktuelle PISA-Studie, die im Auftrag der OECD das Lernumfeld und Lernverhalten von 15-Jährigen analysiert, hat die These widerlegt, wonach es an deutschen Schulen besonders großen Schulstress und hohen Leistungsdruck gibt“.

Mobbing macht Schule zur Qual. Wir müssen deutlich machen, dass Gewalt an Schulen keine Chance hat.“ Der VRB-Landesvorsitzende Timo Lichtenthäler will verstärkt darauf hinwirken, dass die Landesregierung die Klassenmesszahlen senkt. „Wir sind Lehrer geworden, weil wir Unterrichten und Erziehen von Kindern und Jugendlichen als unsere berufliche Lebensaufgabe gewählt haben. Ich sehe die Landesregierung in der Pflicht, unsere verantwortungsvolle Aufgabe durch die Schaffung kleinerer Klassen und verbesserter Rahmenbedingungen zu unterstützen. Die PISA-Studie unterstreicht die positiven Effekte kleiner Klassen.“ 
Der VRB fordert eine Klassenhöchstgrenze von 25 Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe 7 an den Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen bzw. eine Klassenhöchstgrenze von 20 Schülerinnen und Schülern in den Berufsreifeklassen. „Eine Senkung der Messzahlen bewirkt ein Zugewinn an pädagogischer Handlungsfähigkeit.“ Die Landesregierung dürfe nicht nur fordern, sie müsse auch investieren, so Lichtenthäler.

 

Zum Hintergrund

Reale Bildung ist attraktiv, denn sie öffnet zahlreiche Wege und Alternativen. Die schulische und berufliche Laufbahn ist daher nicht einseitig festgelegt, sondern abhängig von Begabung, Interessen, Leistung und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Das Schulsystem in Rheinland-Pfalz muss diese Durchlässigkeit gewährleisten und erhöhen. Die Erfahrungen mit der neuen Schulstruktur zeigen, dass die Reale Bildung sowohl für die Realschule plus als auch für die Integrierte Gesamtschule weiter ausgebaut werden muss. Hier setzt der VRB als Interessenverband seinen schul- und verbandspolitischen Schwerpunkt.

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