07.11.2018

VRB fordert Arbeitszeitanalyse an Schulen

Der Verband Reale Bildung verweist wiederholt und nachdrücklich auf die zunehmende Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer. „Lehrkräfte befinden sich hinsichtlich der physischen und psychischen Anforderungen, die der Schulalltag stellt, längst am Limit“, erklärt VRB-Landesvorsitzender Timo Lichtenthäler. Der Verbandschef fordert daher eine unmittelbare Reaktion des Bildungsministeriums. Beispielgebend sei das Land Niedersachsen, das eine repräsentative Erfassung der Arbeitszeit der Lehrkräfte vorgenommen habe, um verlässliche Daten zur Bemessung der Arbeitszeit und zur Ermittlung des Entlastungsvolumens zu erhalten. Die vorliegende Studie habe einen konkreten Handlungsbedarf festgestellt. Dieser bestehe nicht zuletzt vor dem Hintergrund  der gravierenden Schulstrukturveränderungen längst auch in Rheinland-Pfalz.
Lichtenthäler appelliert an die Fürsorgepflicht des Dienstherrn, der zwar immer wieder einräume, dass die Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer enorm zugenommen hätten, aber auf diese Entwicklung bislang nur tatenlos reagiert habe. Bezeichnend sei, dass die Ergebnisse einer vor Jahren vom Bildungsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Institutes für Lehrergesundheit nicht veröffentlicht worden seien. Offenbar scheue das Ministerium eine Offenlegung der Belastungssituation der Lehrkräfte und die daraus erforderderlichen Entlastungsmaßnahmen.
„Es ist nicht weiterhin hinnehmbar, wenn die Unterrichtsverpflichtungen der Lehrkräfte auf dem Stand von vor 50 Jahren fixiert werden, ohne dem gestiegenen Arbeitsdruck durch Entlastungen Rechnung zu tragen. Mehr Verantwortung und ein ständig wachsendes Aufgabenpensum, bedingt durch zunehmende Erziehungsarbeit, Einbeziehung neuer Technologien, Zunahme des fachlichen Fort- und Weiterbildungsbedarfs sowie der Inklusions- und Integrationsaufgaben können nicht mehr angemessen bewältigt werden“, so der VRB-Landesvorsitzende. Der Arbeitsumfang und Arbeitsdruck der Lehrkräfte, der viele vor einem Lehramtsstudium abschrecke, werde auch seitens der Öffentlichkeit anerkannt. Der VRB erklärt, dass Schüler und Eltern einen berechtigten Anspruch auf hohe schulische Qualität besitzen. Die könne unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr umfassend gewährleistet werden. Das Bildungsministerium müsse daher der Gefahr eines kollektiven Kräfteverschleißes entgegenwirken. Als sofortige Maßnahme und ersten Schritt fordert der VRB die Abschaffung der Mehrarbeit sowie die Vergabe gezielter Entlastungen. Mit einer Arbeitszeitanalyse soll das Bildungsministerium endlich objektive und gerechte Arbeitszeitbedingungen schaffen. Unaufschiebbar sei eine kurzfristige schrittweise Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung. Damit sei auch ein äußeres Zeichen für eine positive Wende hinsichtlich der Attraktivität des Lehrerberufs gesetzt, so der Verband Reale Bildung.

Zum Hintergrund

Reale Bildung ist attraktiv, denn sie öffnet zahlreiche Wege und Alternativen. Die schulische und berufliche Laufbahn ist daher nicht einseitig festgelegt, sondern abhängig von Begabung, Interessen, Leistung und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Das Schulsystem in Rheinland-Pfalz muss diese Durchlässigkeit gewährleisten und erhöhen.
Die Erfahrungen mit der neuen Schulstruktur zeigen, dass die Reale Bildung sowohl für die Realschule, für die Realschule plus als auch für die Integrierte Gesamtschule weiter ausgebaut werden muss. Hier setzt der VRB als Interessenverband seinen schul- und verbandspolitischen Schwerpunkt.


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