14.11.2019

Schulentwicklung hinkt den Erwartungen hinterher

Die offizielle Statistik ignoriert die Herausforderungen

Die Erfolgsmeldungen des Bildungsministeriums zur Lehrerversorgung und Planstellensituation entsprechen nicht den Erwartungen des Verbandes Reale Bildung (VRB). „Diese Statistikkampagne wiederholt sich gebetsmühlenhaft alljährlich“, erklärt VRB-Landesvorsitzender Timo Lichtenthäler. Zentrale Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft könnten mit der aktuellen Personalsituation nicht bewältigt werden. „Die Investitionen für die Schulen in Rheinland-Pfalz sind unzureichend“, so der Verbandschef. „Enttäuschend ist, dass die Landesregierung die zurückgehenden Schülerzahlen nicht dazu nutzt, die unaufschiebbaren Bildungsaufgaben anzupacken. Die grundsätzlich hohen Klassengrößen an den Realschulen plus und an den Integrierten Gesamtschulen erschweren eine zeitgemäße Unterrichtsgestaltung. Kinder und Jugendliche brauchen mehr Förderung, die Schulen brauchen mehr Planstellen für Lehrkräfte. Lichtenthäler beklagt darüber hinaus, dass die Lehrkräfte an den Realschulen plus und an den Integrierten Gesamtschulen längst am Limit ihrer Belastungen angekommen sind. Die hohe Unterrichtsverpflichtung von gestern erschwere die Gestaltung einer zukunftsorientierten schulischen Bildung.
Veränderte und gewachsene gesellschaftliche Erfordernisse und Ansprüche führen nach Auffassung des VRB dazu, dass den Lehrkräften kontinuierlich mehr Aufgaben übertragen werden. Der VRB fordert von der Landesregierung Maßnahmen zur positiven Bewältigung des beruflichen Alltags und zur Sicherung der Unterrichtsqualität. Eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Wochenstunden sei längst überfällig.
Rheinland-Pfalz habe es in der Vergangenheit versäumt, eine Reserve an Lehrerinnen und Lehrern an den Realschulen plus und an den Integrierten Gesamtschulen vorzuhalten. Der tatsächliche Unterrichtsausfall an den Realschulen plus und an den Integrierten Gesamtschulen liege erfahrungsgemäß durchschnittlich bei etwa 8 Prozent, mancherorts weit darüber. Ein solcher Ausfall wäre weitgehend vermeidbar bei einer Lehrerversorgung von 100 + 5 Prozent, wie sie vom Verband Reale Bildung seit Jahren gefordert werde.
Besorgniserregend sei, dass die Studentenzahlen für das Lehramt an Realschulen plus ständig zurückgegangen seien.  Auch in den Studienseminaren schwinde die Zahl der Anwärterinnen und Anwärter. Die Aussage des Ministeriums, dass in Rheinland-Pfalz „über Bedarf“ ausgebildet werde, könne vor diesem Hintergrund nicht nachvollzogen werden.
„Jetzt mehreren sich die Anzeichen, dass die von uns prognostizierten Folgen eintreten und die Attraktivität des Arbeitsplatzes Schule in Rheinland-Pfalz und das Lehramt Realschulen plus Schaden nimmt“, erklärt Lichtenthäler. „Das Nichthandeln und Nichternstnehmen rächt sich, wenn die tatsächlichen Herausforderungen ignoriert und nur schöne Statistiken auf der Grundlage des Vergangenheitsbedarfs erstellt werden.“ 
 
Zum Hintergrund
Reale Bildung ist attraktiv, denn sie öffnet zahlreiche Wege und Alternativen. Die schulische und berufliche Laufbahn ist daher nicht einseitig festgelegt, sondern abhängig von Begabung, Interessen, Leistung und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Das Schulsystem in Rheinland-Pfalz muss diese Durchlässigkeit gewährleisten und erhöhen. Die Erfahrungen mit der neuen Schulstruktur zeigen, dass die Reale Bildung sowohl für die Realschule plus als auch für die Integrierte Gesamtschule weiter ausgebaut werden muss. Hier setzt der VRB als Interessenverband seinen schul- und verbandspolitischen Schwerpunkt.

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