08.04.2020

„Bildung ist zurzeit nicht für alle erreichbar“

Die Corona-Krise ist eine nie dagewesene Herausforderung für unsere Gesellschaft. Politik und Gesellschaft wurden durch die Ausnahmesituation deutlich vor Augen geführt, wie unverzichtbar Schule und Lehrkräfte entgegen einiger „digitaler Mythen“ für den Lernerfolg unserer Kinder und Jugendlichen sind.

Während der Schulschließung sind die Lehrkräfte gefordert, differenzierte Lern- und Unterrichtsmaterialien vor allem digital zur Verfügung zu stellen. Allerdings erreichen diese Bildungsangebote nicht alle Kinder und Jugendlichen.

Die rheinland-pfälzischen digitalen Lernplattformen und Cloudlösungen wie Moodle und Schulbox haben den krisenbedingten Belastungstest nicht bestanden. Ein Austausch von Materialien und Schülerarbeiten funktioniert über diese Plattformen allenfalls eingeschränkt. Viele Lehrkräfte weichen auf andere Apps, Kommunikationsdienste und Programme aus, um ihre Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Die Zulässigkeit dieser Nutzung ist hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bestimmungen oft fragwürdig.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Elternhäuser ihren Kindern einen PC oder Laptop, Office-Programme und Drucker zur Verfügung stellen können. „Der Bildungserfolg droht durch die Krise noch abhängiger von der sozialen Herkunft der Kinder zu werden“, kritisiert VRB-Landesvorsitzender Timo Lichtenthäler.

Das Land Rheinland-Pfalz muss endlich konsequent eine belastbare digitale Infrastruktur bereitzustellen. Das Land muss für stabile digitale Strukturen (Lernplattformen, Cloud-Lösungen und Kommunikationsdienste) sorgen, die datenschutzrechtlich unbedenklich sind.
Wir erwarten von Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, sich dafür einzusetzen, dass jedes Kind unabhängig von seiner sozialen Herkunft über eine digitale Grundinfrastruktur verfügen kann. Das sind lohnende Investitionen in Bildungsgerechtigkeit.

 

Zum Hintergrund

Reale Bildung ist attraktiv, denn sie öffnet zahlreiche Wege und Alternativen. Die schulische und berufliche Laufbahn ist daher nicht einseitig festgelegt, sondern abhängig von Begabung, Interessen, Leistung und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Das Schulsystem in Rheinland-Pfalz muss diese Durchlässigkeit gewährleisten und erhöhen.

Die Erfahrungen mit der neuen Schulstruktur zeigen, dass die Reale Bildung sowohl für die Realschule, für die Realschule plus als auch für die Integrierte Gesamtschule weiter ausgebaut werden muss. Hier setzt der VRB als Interessenverband seinen schul- und verbandspolitischen Schwerpunkt.

 

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